Grünsink in Gefahr 

Bei einer Besichtigung der Kapelle durch das Bauamtder Diözese Augsburg wurden bedenkliche Risse im Mauerwerk festgestellt.Ursache dieser Schäden ist der zunehmende Verkehr auf der Staatsstraße 2349,die mit nur 1 m Abstand an der Grünsinker Kapelle vorbeiführt.

Grünsink

 

Heute befahren täglich 3.200 Fahrzeuge, davon 160 Schwerlastwagen, dieseStraße. Für 2025 ist eine weitere Zunahme um 28% (4.100 Kfz.) prognostiziert infolge des um 21% gestiegenen Verkehrsaufkommens auf der Lindauer Autobahn (55.100/66.500 Kfz.).


Die Sorge um Grünsink ist einer der Gründe, warum sich die Gemeinde Weßling und der Verein "Verkehrsberuhigungfür Weßling e.V." seit 23 Jahren unermüdlich um den Bau einer Umgehungsstraße für Weßling bemüht. Denn erst dann ist es möglich, die Grünsinker Straße an der Kapelle entsprechend der Planung des Straßenbauamtes enden zu lassen, sie aus dem überörtlichen Verkehrsnetz zu nehmen.

 

Grünsink
Waldkapelle Grünsink


Und das berührt nicht nur die Weßlinger. Grünsink ist ein Kulturgut hohen Ranges. Nach 1740 entstand hier einem Gelübde wegen wunderbarer Errettung entsprechend eine Wallfahrt, die 1763zum Bau der Kapelle führte. Seitdem besitzen wir dieses Kleinod, dessen Reiz sich wohl keiner entziehen kann, der sich an einem schönen Sommertag in der Kapelle ausruht und die Harmonie des Raumes mit seiner schönen Rokokoausstattung auf sich wirken lässt - auch eingedenk der vielen Menschen,die hier Trost suchten in bösen Zeiten. Neben den beiden Grünsinker Festen sind ein besonderes Erlebnis die jährlichen Grünsinker Konzerte, die leider immer wieder empfindlich gestört werden von den vorbei rasenden Autos - hoffentlich nicht mehr lange.
Setzen auch Sie sich dafür ein, dass die Grünsinker Kapelle wieder in einer stillen Grünen Senke zu liegen kommt. Das ist nämlich der alte Flurname.

Geschichte der Kapelle und des Namens Grünsink 

Nach einer Sage soll sich um 1740 ein Seefelder Jäger in den Wäldern der Umgebung verirrt haben. Da er nicht die Nacht unter Wölfen verbringen wollte, betete er zur Hl. Maria ihm zu helfen, damit sie ihn zur grünen Senke führe - ein Platz, den er kannte. Sein Gebet wurde erhört. Er nächtigte daraufhin beim Bauern im nahen Schluifeld und erbat sich ein Marienbild, das er in dessen Hause vorfand, und "das ganz vernachlässiget war". Sein Gelübde einlösend brachte er das Bild zur grünen Senke und stellte es in einen hohlen Birnbaum. Das Volk hörte davon und suchte Maria Hilfim Birnbaum auf, um dort zu beten. Doch bald kam es auch zu Wunderheilungen.Die älteste bekannte ist durch ein Votivbild von 1744 belegt. Da das Volk das Marienbild als Gnadenbild zu verehren begann und Opfergaben und Geschenke am Baum hinterließ, erwirkte der zuständige Pfarrer Dekan Anton Steiner 1762 vom Fürstbischof Joseph von Augsburg die Erlaubnis, das Bild öffentlich verehren zulassen und eine Kapelle zu bauen. Schon am 10. August 1763 wurde die Kapelle Maria Hilf geweiht und das Bild vom Birnbaum in die Kapelle überführt. 1779 erteilt Papst Benedikt VI. für 7 Jahre vollkommenen Ablass für Pilger zur Mariavon Grünsink. Daraufhin nahm die Wallfahrt zum Bild zu. Papst Leo XII.bestätigte 1825 den Ablass auf ewige Zeiten und legte ihn auf den letztenSonntag im Juli fest. Das war der Beginn des Grünsinker Ablassfests, das noch heute gefeiert wird. 1898 waren etwa 500 Votivtafeln in der Kapelle angebracht. Davon ist heute nur noch ein Bruchteil erhalten. Nach den Votivtafeln rief man Maria von Grünsink an bei Krankheit von Mensch und Vieh, bei Unfall, Unglück, Feuerschaden und Kriegsleiden.

 

Der Name Grünsink ist erstmals durch das Votivbild von 1744 als "in dergrönen Sing" (in der grünen Senke) belegt. Der Ort war damals offenbar eine Waldlichtung. Dieses Votivbild zeigt den Birnbaum auf freier Flächeumgeben von Wald. Die Karte von Philipp Apian von 1568 erwähnt den Ort nicht. Möglicherweise gab es aber an der Stelle Grünsinks im Mittelalter eine Ansiedlung, die zwar unterging, deren Name aber im Volksgedächtnis haften blieb und in späterer Zeit in "grüne Senke" umgedeutet wurde.
In einer Andechser Urkunde des Jahres 1060 gehört der Ort Cruvinsinga zur Herrschaft des Grafen von Dießen. Nach Ansicht einiger Heimatforscher ist de rOrt Cruvinsinga das heutige Grünsink. Der mittelalterliche Ortsname geht zurückauf ahd. *gruwison "grausen, erschrecken", das aus einem althochdeutschen Personennamen rekonstruiert wurde.[1] Zuweilen wird deswegen vermutet, dass derOrtsname auf einen grausigen Ort, also aus christlicher Sicht auf einheidnisches Heiligtum weise. Der Sagensammler Alexander Schöppner überliefert passend eine Sage, dass nachts um die Kapelle ein schrecklicher, schwarzer Pudel ohne Kopf herumstreife, die ihren Ursprung in heidnischer Überlieferung hat. Vielleicht hat auch die Gegend gespenstisch gewirkt. Früher gab es dort viele Wasser- und Sumpflöcher. Weitere Anhaltspunkte für diese Spekulation gibtes aber nicht.

 

Beitrag Dr. L. Ostermayer  

 

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