Kinder als Verkehrsteilnehmer

Kinder können erst mit ca. 8 bis 10 Jahren die Anforderungen als Fußgänger im Straßenverkehr bewältigen und als Fahrradfahrer sogar erst mit 13-15 Jahren. Die Entwicklung der Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit ist erst mit 14 Jahren abgeschlossen. Zwischen dem 3.und dem 7. Lebensjahr vermischen sich noch Realität und Phantasie im Spiel.

... die Straße trennt!

Kinder und letztlich auch Fußgänger sowie Radfahrer jeden Alters sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer und bedürfen daher eines besonderen Schutzes. Der Verkehrsclub Deutschland empfiehlt mehr Beteiligung von Kindern in der Stadt- und Verkehrsplanung und fordert eine familienfreundliche Gestaltung des Verkehrs. Dem kann ich mich nur anschließen.


Interessant ist auch, dass laut statistischem Bundesamt mehr als die Hälfte der Kinderunfälle nicht durch die Kinder selbst, sondern durch das Fehlverhalten der beteiligten motorisierten Fahrer verursacht werden. Hauptunfallursache für Unfälle mit Personenschaden ist nicht angepasste Geschwindigkeit. Autofahrer reduzieren kaum ihre Geschwindigkeit, wenn sie Kinder auf dem Gehweg sehen, obwohl es die StVO seit 1980 fordert.

 

Kinder und Verkehr in Weßling

Das Ganze ist ein Teufelskreis: da die Wege zurSchule, zum Kindergarten, zum Freund nicht sicher zu bewältigen sind, fahrendie Eltern ihre Kinder lieber mit dem Auto, wodurch der Verkehr noch stärkerwird. Beispielsweise zur Sporthalle gibt es am Meilinger Weg weder rechts nochlinks einen Bürgersteig. Ich lasse keines meiner Kinder dort alleine gehen, da die Straße zu schmal ist, als dass zwei sich begegnende PKWs und ein am Rand gehendes Kind gleichzeitig durchkämen. Wenn Kinder aber mit dem Auto transportiertwerden, können sie wiederum ihre Fähigkeiten im Straßenverkehr nicht ausbilden.Schul- und Spielwege müssten aber doch alleine zurückgelegt werden können. Der Straßenverkehr sollte an die Fähigkeiten der Kinder angepasst werden. Kinde rsollen in der letzten Konsequenz nicht aus dem Straßenraum verbannt werden, sondern auf den Straßen entsprechend geschützt sein.
Da es das verkehrssichere Kind nicht gibt, wird es mehr Sicherheit für Kinder nur dann geben, wenn der Verkehr nicht nur in Weßling, sondern insgesamt kindgerechter wird und sich die Erwachsenen mehr auf die Besonderheiten von Kindern im Verkehr einstellen.
Während meiner Tätigkeit als Schülerlotse habe ich die "tollsten" Sachen erlebt. Autos sind zu schnell, der Verkehr ist in den Stoßzeiten zu dicht, auf dem Schulweg habe ich beobachtet, dass AutofahrerInnen unvorsichtigund rücksichtslos abbiegen. Sie parken auf Gehwegen, sind Sichthindernisse, Überquerungshilfen fehlen, Ein- und Ausfahrten sind zusätzliche Gefahrenstellen.
Letztlich sind Schülerlotsen doch ein Zeichen dafür, dass der Verkehr nicht kindgerecht ist.
Ich sehe im Besonderen Defizite bei der Durchsetzung von bereits vorhandenen Verkehrsvorschriften. Tempo 30 und Tempo 50 wird ohne entsprechende Überwachungkaum eingehalten. Haben Sie schon mal versucht Tempo 50 auf der Hauptstraße in Weßling konsequent durchzuhalten ? Ohne angehupt oder überholt zu werden oder hin und wieder einen Vogel gezeigt zu bekommen, ist das fast unmöglich. Dass es also geschwindigkeitsreduzierte Zonen in Weßling gibt, ist die eine Sache, dass konsequent kontrolliert wird, ob die entsprechenden Vorgaben auch eingehaltenwerden, ist eine andere (auch wenn das dem einen oder anderen PKW-Fahrer erstmal lästig erscheinen mag, so ist es doch letztlich sinnvoll).

Lösungsvorschläge

Was könnte also getan werden?
- ganz konkret für Schulkinder in Weßling in erster Linie eine Art Grundsicherung der Schulwege. Wie wäre es mit 3 empfohlenen und gesichertenSchulwegen? Die Schulwegsicherung müsste dann auch mit den Eltern kommuniziert werden.
- Vernetzung der Spielwege, aber auch insgesamt Komfortverbesserungen im Fußverkehr (also auch ausdrücklich für Erwachsene, Senioren, Behinderte,Fußgänger und Fahrradfahrer) und eine Mängelbeseitigung vielleicht sogar unter Beteiligung von Senioren und Kindern. (Wie wäre es mit einer Kinderbefragung?)
- Die Ermittlung von (Kinder-) Unfällen auf einer Unfall-Steckkarte unter Einbeziehung von Dunkelziffer-Unfällen (unter Zuhilfenahme von der Schülerunfallversicherung,die bei der polizeilichen Statistik nicht erfasst werden) könnte hilfreichsein.
- Mehr Geschwindigkeitsreduzierungen von 50 auf 30 Stundenkilometer, besonders in der Nähe von Schulen, Kindergärten, Spielplätzen und die Durchsetzung dieser Vorgaben. Kontrollen zeigen hier, dass Zahl der Unfälle nach der Einführung von Tempo 30 um 70% zurückgingen.


In Wohngebieten mehr verkehrsberuhigte Bereiche.
Gezielte Verkehrsüberwachung von Vorschriften und Verkehrsregeln.
Dichtere Überwachung von Falschparkern, z.B. am Bahnhof.
Kinder-/Fußgängerfreundliche Querungshilfen.
die Gewährleistung einer Verbindung der wichtigsten Ziele (Schule, Spielplätze, Sporthalle, Geschäfte) mit durchgehenden Bürgersteigen. Oft enden in unserer Gemeinde Bürgersteige sozusagen im Nichts.

 

Insgesamt ist eine fußgängerfreundliche Verkehrsplanung anzustreben statt in erster Linie stets den fließenden PKW-Verkehr im Auge zu haben. Die Energiepreise steigen immer mehr, Umweltverschmutzung ist ein brennendes Thema, da ist es nur zeitgemäß und sinnvoll, dafür zu sorgen, dass sich auch beim Thema Verkehr der Fokus mehr auf Fußgänger und Radfahrer richtet.

 

Mehr Verständnis, mehr Rücksichtnahme, mehr Toleranz, mehr Gemeinschaftssinn wäre schön.

 

Beitrag:Sabine Jurzig (2009)

Quellen:

Statistisches Bundesamt, Kinderunfälle im Straßenverkehr

Sagstetter, Kinder brauchen diese Hilfe, 1996

Broschüre Vds 1995 zur Schulwegsicherung

Verkehrsclub Deutschland

www.aral.de

 

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